…more on ripples ~

~nobody is smart enough to be 100% wrong. (ken.wilber)

~ landstrasse

mit einem Kommentar

A4 richtung Olpe – Ein wundervoller Sonnentag – 140 auf dem Tacho – Der Twingo dröhnt – Links überholen , rechts einordnen – Noch eineinhalb Stunden bis Arpe  - Fotosafari am Flüsschen – Hausgeräucherter Schinken – Kaffe an der Tankstelle – Noch eine Stunde bis Arpe – Links, rechts, der Motor surrt – Gespräche über Dies und Das – Heiterkeit – Noch mal kurz auf  ’ne Zigarette auf den Parkplatz -Der Rücken tut ein bisschen weh – Gedanken an eine größeren Wagen – Sauerland – Zurückschalten am Berg – Der Wagen fällt im fünften auf hundertunddrei und kommt dann nicht wieder in Schwung – Diskussionen über Benzinverbrauch – Von der Autobahn runter – Noch eine halbe Stunde bis Olpe -

- Landstrasse – 70 -100 – 50 -70 – Vorsicht Blitzampel – 70 – Kleiner Hunger – Mc Donalds liegt am Weg – ‘ist voll heute – Parkplatz gefunden – Wir gehen rein – Riesenschlange – Familien mit Kindern an der Kasse – Juniortüten – Sei’s drum, Christin bleibt in der Kasse, ich gehe raus und rauche am Wagen eine Zigarette – Es dauert ewig – dann kommt Sie – ‘hat sich auch eine McDouble mitgebracht – Wir essen im Fahren – Wir sind schon zu spät dran – Jetzt geht es über betonierte Feldwege, durch Wäldchen, enge Kurven – Das Fahren macht hier Spass – Noch fünf Minuten bis Arpe -

- Links den Berg hoch – Es stehen Autos auf der Fahrbahn – Der Puls steigt – Ich fahre langsam ran – Ein Irgendetwas, das wohl mal ein Auto wahr, steht, liegt  rechts auf dem Feld – Wir halten an – Ein paar Menschen sind da – Ich steige aus und sage zu Christin, das sie kurz warten soll – Ich möchte Ihr den Schrecken ersparen -

“Braucht Ihr Hilfe?”, rufe ich. – Ein junger Mann kommt zielstrebig auf mich zu, leicht taumelnd. Sein Gesicht ist blutüberstömt. Er sagt mir das ich dort beim Beatmen gebraucht werde – Ich knie mich vor den jungen Mann, der da am Boden liegt, als ob er schläft – Irgendwer sagt, er habe keinen Puls mehr – er liegt da ganz friedlich in der Sonne – Ich halte seine Kopf und habe die andere Hand auf seiner Brust – Eine Stimme aus dem Off sagt mir, das sei schon eine viertel Stunde so -

- Stimmen. Die Stimme des Bruders, der wohl gefahren ist, und immer wiederholt, das er seinen Bruder getötet hat und das das alles nicht wahr sein könne – Ein sympathischer Junge, vielleicht achtzehn, völlig verzweifelt – Der Junge vor mir ist völlig still – ich massiere ganz leicht sei Herz und sage zu Ihm das er bei uns bleiben soll – Niemand hat eine Beatmungsmaske im Auto – Ein Mann beugt sich zu mir und sagt, ich könne aufhören, er sei Sanitäter, zeigt auf die Ohren des Jungen, die dunkelblau verfärbt sind – Jetzt sehe ich es auch – der Junge ist völlig blau – er liegt da ganz friedlich – ich halte ihn – ich rede mit ihm.

- Blaulicht, zwei Polizisten. “Kümmern Sie sich um den Bruder!”, rufe ich. Er will immer wieder hier her. Er kann es nicht glauben. “Der RTW ist gleich da”, sagen die Polizisten – Mehr Blaulicht, ein netter Notarzt beugt sich zu mir und dem Jungen, er guckt ihn an, fühlt den Puls, er sagt, “Der Junge ist EX”, legt noch einmal ein EKG an und macht den Defibrillator bereit. Ich streiche dem Jungen noch einmal über den Kopf und die Brust und gehe zu den beiden anderen Jungs. Ich versuchen mit einem Sanitäter den Bruder zu beruhigen, Christin kümmert sich um die junge Frau, die den Jungen aus dem Gurt geschnitten hat – Jetzt ist der Vater da – “Papa, ich habe Scheisse gebaut”, sagt der Bruder. Ich freue mich, das der Vater seine Sohn tröstet. Wir reden mit allen, die im Moment Hilfe brauchen – Meine Beine sind weich.

- Die Feuerwehrleute haben jetzt ein weisses Tuch über den Jungen gelegt – Der Vater fährt mit dem Sohn im Rettungswagen ins Krankenhaus. Wir tauschen Telefonnummern mit der Jungen Frau, deren Freund sie gerade abholt, aus – Es ist gut das er jetzt hier ist -

Wir wollen die Freundin des Vaters noch nach Hause fahren – Ich hole ihren Wagen – Ich schaue aufs Feld, auf den Jungen unter dem weissen Tuch, falte die Hände vor der Brust, verbeuge mich einmal vor Ihm und sage ihm lebewohl.

Eine Viertelstunde später sind wir in Arpe – Jetzt kommen die Tränen.

Lieber M. wenn Du dies lesen solltest, auch ich habe ‘Scheisse gebaut’, als ich achtzehn war. Ich hatte nur Gück.

Ich bin für Dich da, wenn Du mich brauchst.

Geschrieben von kay.lummitsch

15. Mai 2011 um 13:31

Veröffentlicht in gesellschaft

Eine Antwort

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  1. Wie gut, dass ihr da wart. Du hast es echt toll gemacht. Ich umarme dich.

    Ilona Harmat

    16. Mai 2011 um 15:14


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